Betrachtet man die Collagenbücher von Sabine Mann, wird schon auf den ersten Blick deutlich, dass es ein tiefes und persönliches Anliegen der Künstlerin ist, die Welt – ihre Bilderwelt – neu zu ordnen.

Trotz des Titelzitates wäre es vermessen, Foucaults Archäologie der Humanwissenschaften von 1966 mit seiner Beschreibung der komplexen Anordnung von Sichtlinien, Verborgenem und Sichtbarem im Bild Las Meninas von Diego Velázquez zu Rate zu ziehen. Dennoch möchte ich den Titel ‚entleihen‘ als ein Synonym für die Entstehung von Sabine Manns Büchern.


Ein Bulthaup-Küchenbuch aus den 90er Jahren, das seit langem in ihrem Atelier schlummerte, reizte die gelernte Grafikdesignerin, einen eigenen Kosmos zu gestalten. Inspiration waren außerdem Zeitschriften, die eine andere, ‚fremde‘ Welt und Ästhetik zeigten. Diese beiden Welten zu verbinden, diese von Menschen fast unberührten Räume auf der einen und die belebten Räume auf der anderen Seite haben Sabine Mann ungemein fasziniert.

Ihre Technik ist das Ausschneiden, Aufkleben, das neu Zusammenfügen – die Collage (frz. coller = kleben). Eine Technik, bei der durch das Zusammenfügen verschiedener Bildelemente ein neues Ganzes geschaffen wird, die in der Anonymität der vorgefundenen Elemente immer auch etwas sehr malerisches und persönliches verbirgt und in der das scheinbare Chaos geordnet und alles auf seinen nun neuen und festen Platz gestellt wird.


Schnell denkt man an die große Dada-Künstlerin Hannah Höch, die mit ihren anmutigen, aber auch politischen, ironischen Collagen Aufsehen erregte, oder an Max Ernst, der 1962 schrieb: „Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene – und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt.“ Auch die Assemblagekästen, Constructions, von Joseph Cornell, in denen er eine poetische Ansammlung von Fotografien, Sternkarten, Kugeln oder Spielzeug nach eigener Symbolik verband, kommen in den Sinn, wenn man sich der Arbeit von Sabine Mann nähert.




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