Sabine Mann - Arbeiten

Je nach Papieralter, Beschaffenheit und originaler Oberflächenbehandlung färbt sich die Seite ganz ein, geht durch bis zur nächsten Seite oder die Tinte bleibt auf der Oberfläche stehen. Außer durch die Wahl der Farbe kann Sabine Mann diesen Prozess nur bedingt steuern – im Gegensatz zu den Schnitten, die sie gezielt setzt. Und da der fast meditative Prozess des Färbens so lange dauert, kann sie immer nur einige Seiten färben, bevor sie getrocknet sind und sie weiter arbeiten kann.


Von großer Schönheit lösen die bibliophilen Papierskulpturen die eigentliche Funktion eines Buches ad absurdum, da es nicht mehr lesbar ist. Obwohl der Inhalt – die beschriebenen Seiten – nach außen gestülpt werden – und damit lesbarer sein müssten – wird er, einem bestimmten, gleichmäßigen Schnittrhythmus folgend und einheitlich eingefärbt, unkenntlich gemacht. Auch wenn inne liegendes, scheinbar intimes, privates ‚verletzt’, nach außen getragen/gestülpt wird und sich damit extrem verletzbar präsentiert, wirken die extrovertierten Buchskulpturen nicht wie eine Wunde, da die künstlerische Verwandlung nicht laut und brutal, sondern leise und liebevoll ist. Unter Sabine Manns Händen sind abstrakte Objekte entstanden, die zwar Assoziations-, Wissens- oder Informationsspeicher sind, sich aber vor allem formal durch eine ungemeine haptische, dynamische Poesie auszeichnen.



Susanne Kleine

Schnittstellen

Die neuen Bücher von Sabine Mann